Wechseljahre sind kein genetisches Schicksal

„Seit den Wechseljahren nehme ich schon vom Anschauen einer Semmel zu.“ So oder ähnlich hören wir es in der Apotheke ständig. Dazu kommen schlechter Schlaf, weniger Energie, Hitzewallungen und Bauchfett, das plötzlich hartnäckiger wird. Alles nur Hormone? So einfach ist es nicht.

Mit den Wechseljahren sinken Östrogen und Progesteron, Körperzusammensetzung und Fettverteilung verändern sich. Muskelmasse, Insulinsensitivität, Knochen und Herz-Kreislauf-Gesundheit rücken stärker in den Fokus. Trotzdem erleben zwei Frauen mit einem ähnlichen Hormonstatus diese Lebensphase keineswegs gleich.

Hier wird die Epigenetik spannend, denn unsere Gene sind kein fertiges Drehbuch, das wir einfach abarbeiten. Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress können beeinflussen, welche Gene stärker oder schwächer aktiv sind. Die DNA bleibt dieselbe, aber ihre Regulation ist veränderbar. Wir sind unseren Genen also nicht einfach ausgeliefert.

Gerade in den Wechseljahren lohnt es sich deshalb, an den Stellschrauben zu drehen, die wir selbst beeinflussen können: Krafttraining und ausreichend Protein für die Muskulatur, den Blutzucker im Blick behalten, Schlaf priorisieren und chronischen Stress reduzieren. Auch eine gezielte Mikronährstoffversorgung kann Teil dieses Konzepts sein. Vitamin D, Magnesium und Omega-3 gehören dabei ebenso in die individuelle Beratung wie Kreatin, das längst mehr als ein Thema für Sportler ist. Auch Q10 und PQQ im Zusammenhang mit dem zellulären Energiestoffwechsel sowie Curcumin und Astaxanthin mit ihrem antioxidativen beziehungsweise entzündungsmodulierenden Potenzial sind interessante Kandidaten.

Das bedeutet aber nicht: je mehr Kapseln, desto besser. Unsere Kompetenz in der Apotheke liegt darin, Bedarf, Ernährung, Lebensstil, Medikamente und individuelle Beschwerden zusammenzubringen und daraus sinnvolle Empfehlungen abzuleiten.

Die Wechseljahre können wir nicht verhindern. Aber wir können mitentscheiden, wie wir unseren Körper durch diese Jahre begleiten. Hormone verändern die Voraussetzungen. Sie schreiben aber nicht die ganze Geschichte.