Unsere Welt verlangt viel. Berufliche Verantwortung, permanente Erreichbarkeit, Training, Familie, Termine und der eigene Anspruch, dabei körperlich und mental leistungsfähig zu bleiben. Regeneration wird dadurch zunehmend zu etwas, das wir bewusst einplanen müssen.
Für mich gehört genau das zu moderner Präventivmedizin: nicht erst aktiv zu werden, wenn die Energie fehlt oder der Körper deutliche Signale sendet, sondern frühzeitig in Gesundheit, Leistungsfähigkeit und gesundes Altern zu investieren.
Eine Methode, die dabei zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, ist die hyperbare Sauerstofftherapie, kurz HBOT.
Was passiert bei HBOT?
HBOT steht für Hyperbaric Oxygen Therapy. Dabei wird medizinischer Sauerstoff unter erhöhtem Umgebungsdruck eingeatmet.
Unter normalen Bedingungen wird der größte Teil unseres Sauerstoffs an Hämoglobin gebunden transportiert. Durch den erhöhten Druck während einer HBOT Sitzung steigt zusätzlich der Anteil des physikalisch im Blutplasma gelösten Sauerstoffs deutlich an. Dadurch können Gewebe intensiver mit Sauerstoff versorgt werden.
Das macht die Methode nicht nur für ihre etablierten medizinischen Einsatzgebiete interessant. Auch in den Bereichen Regeneration, Performance und Longevity wird intensiv untersucht, welche Anpassungsprozesse wiederholte HBOT Anwendungen auslösen können.
Energie und Leistungsfähigkeit beginnen auf Zellebene
Wer langfristig leistungsfähig bleiben möchte, kommt an den Mitochondrien nicht vorbei. Sie stellen über die oxidative Phosphorylierung einen wesentlichen Teil unseres ATP bereit und damit jene Energie, die unsere Zellen für ihre Arbeit benötigen.
HBOT nur auf „mehr Sauerstoff“ zu reduzieren, wäre allerdings zu kurz gegriffen. Interessant sind vor allem die biologischen Reaktionen auf wiederholte Hyperoxie und die damit verbundenen Anpassungsmechanismen. Untersucht werden unter anderem Einflüsse auf Angiogenese, Stammzellmobilisierung, mitochondriale Funktionen, Entzündungsprozesse und Geweberegeneration.
Für Menschen, die beruflich oder sportlich viel leisten, eröffnet sich damit ein spannendes Forschungsfeld: Wie können wir Regeneration gezielter unterstützen und gleichzeitig unsere körperliche und mentale Leistungsfähigkeit möglichst lange erhalten?
Anti-Aging: Was haben Telomere mit HBOT zu tun?
Besonders faszinierend wird HBOT für mich beim Thema biologisches Altern.
Telomere sitzen an den Enden unserer Chromosomen und schützen unser Erbgut. Mit zunehmender Zahl an Zellteilungen werden sie tendenziell kürzer. Ihre Länge ist deshalb einer von mehreren Biomarkern, die im Zusammenhang mit zellulärer Alterung untersucht werden.
Eine viel beachtete Studie untersuchte bei gesunden älteren Erwachsenen ein mehrwöchiges HBOT Protokoll. Dabei wurden nach wiederholten Behandlungen Veränderungen der Telomerlänge bestimmter Immunzellpopulationen sowie eine Abnahme verschiedener seneszenter T-Zell-Populationen beobachtet.
Das ist aus Longevity Sicht ausgesprochen interessant. Es bedeutet allerdings nicht, dass eine einzelne HBOT Sitzung die Telomere verlängert oder den Alterungsprozess einfach zurückdreht. Die Daten stammen aus einem spezifischen, intensiven Behandlungsprotokoll und müssen durch weitere Forschung bestätigt werden.
Trotzdem zeigt diese Forschung, wie spannend HBOT inzwischen auch für die Biologie des Alterns geworden ist.
Longevity bedeutet für mich auch Performance
Beim Thema Anti-Aging denke ich nicht zuerst an Falten. Mich interessiert vielmehr die Frage, wie wir mit 50, 60, 70 oder 80 Jahren leben wollen.
Haben wir ausreichend Energie? Können wir uns bewegen, trainieren und reisen? Sind wir mental leistungsfähig? Können wir unseren Alltag selbstbestimmt gestalten und das Leben tatsächlich genießen?
Genau deshalb gehören Performance und Longevity für mich zusammen. Es geht nicht darum, dem Alter hinterherzulaufen, sondern möglichst lange körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Ernährung, Bewegung, Muskelmasse, Schlaf, Stressmanagement und eine individuell passende Mikronährstoffversorgung bilden dafür weiterhin die Basis. Moderne Verfahren wie HBOT können diese Basis nicht ersetzen, aber sie können einen interessanten zusätzlichen Baustein darstellen.
Me Time einmal anders gedacht
Selfcare wird häufig mit Wellness gleichgesetzt. Für mich bedeutet sie wesentlich mehr.
Eine Stunde bewusst aus dem Alltag auszusteigen, das Smartphone zur Seite zu legen und dem Körper Raum für Regeneration zu geben, ist heute fast schon Luxus. Wenn diese Zeit gleichzeitig mit einem modernen präventivmedizinischen Ansatz verbunden wird, bekommt Me Time eine völlig andere Bedeutung.
Nicht aus Angst vor dem Älterwerden, sondern aus Wertschätzung für den eigenen Körper.
Wir können nicht verhindern, dass die Welt viel von uns verlangt. Wir können aber beeinflussen, wie gut wir dafür aufgestellt sind.
Leistungsfähig bleiben, Regeneration ernst nehmen und die eigene Gesundheit aktiv gestalten: Für mich ist das Longevity am Puls der Zeit.
Mag. pharm. Magdalena Maria Adamer
Pharmazeutin | Ernährungsmedizin | Epigenetik | Longevity
Weil Gesundheit kein Zufall ist.

